Zwei Kapseln Andiol - die Geschichte der Anne-Kathrin Elbe

Anne- Kathrin Elbe erhielt im Herbst 2007 die 'Heidi- Krieger -Medaille'. Für ihre "bewiesene Charakterstärke und ihren Mut", wie es in der Begründung des Doping -Opfer -Hilfevereins heißt.

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Ihre Geschichte: Anne-Kathrin Elbe ist mehrfache deutsche Jugend- und Juniorenmeisterin im Sprint, trainiert in Leverkusen. Auf ihr Teenagerleben wollte die jetzt 20jährige lange Zeit nicht zurückblicken. Mit dem nötigen Abstand, gelingt ihr das jetzt.

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Ihre Geschichte:
Anne-Kathrin Elbe ist mehrfache deutsche Jugend- und Juniorenmeisterin im Sprint, trainiert in Leverkusen. Auf ihr Teenagerleben wollte die jetzt 20jährige lange Zeit nicht zurückblicken. Mit dem nötigen Abstand, gelingt ihr das jetzt. So gut, dass sie erstmalig vor einer Fernsehkamera ausführlich über die Jahre unter ihrem Trainer Thomas Springstein und die abenteuerliche Flucht aus seiner Trainingsgruppe berichtet. Eine Flucht, die in einer Anzeige endete und mit einem neuen Leben beginnt.


Ihr Handeln ist einzigartig, zeugt von ungeheurem Mut. Auch wenn sie das selber nicht so wahrhaben will. Dabei begann alles so verheißungsvoll.

Training, Training, Training

Im Alter von 16 Jahren kam sie zum 'Leichtathletik-Trainer des Jahres' 2002. Zur Sprint-Trainingsgruppe beim SC Magdeburg, beim Erfolgcoach Thomas Springstein. Er hatte schon Katrin Krabbe und Grit Breuer zu Welt- und Europameistertitel gebracht, betreute den Olympiazweiten von Sydney im Triathlon.

Die Aufnahme in die Trainingsgruppe war verbunden mit einem Ritual. Im Trainingslager in Zinnowitz an der Ostsee mussten die 16jährigen Mädchen Einiges über sich ergehen lassen. Teller voll mit roter Sosse und Senf, die Augen verbunden - dort gehörte das Gesicht rein. Eine 'Mutprobe', wie man sie allenfalls von der DDR-Volksarmee kennt. Thomas Springstein wollte es so.

Zwei Kapseln mit unbekannten Inhalt

Das Training war hart, häufig über der Schmerzgrenze. "200 Meter Sprint - mit zusätzlichem Gewicht". Und: immer und immer wieder Tempoläufe. Für Jugendliche, die noch in der Entwicklung sind. "Wir waren oft verletzt, einmal habe ich mir dabei sogar den Fuß gebrochen". Und dann gab es diese Pillen. "Wir mussten sie unter Aufsicht nehmen".

Anne-Kathrin Elbe wurde misstrauisch. Was ist dort drin? Im Trainingslager in den USA ließ sie die Kapseln verschwinden. Trainer Springstein kontrollierte diesmal nicht. Doch was jetzt?! Wer kann helfen?? Fragen einer 16jährigen Leistungssportlerin. Die Freundin und auch die Eltern wissen nicht weiter.

Ein Jahr lang passiert zunächst einmal nichts. Das Training geht weiter, die körperlichen 'Qualen' auch. Irgendwann hat Anne-Kathrin Elbe genug, will weg aus Magdeburg, weg von Thomas Springstein.

Wie weiter?!

In dieser Situation spricht sie Thomas Kremer an. Zu dem Sprint-Bundestrainer, hat sie mittlerweile Zugang und Vertrauen gefunden. Doch: wie konnten die Pillen unauffällig und zuverlässig analysiert werden. Ein falscher Verdacht - und schön wäre die öffentliche Aufregung groß.

Kremer, der aus Wuppertal stammt, spricht einen befreundeten Apotheker an. Der erkennt die Kapseln, weiß um den Wirkstoff. Andriol, ein anaboles Steroid, ein Mittel zur Muskelbildung. Ein Stoff der ganz oben auf der Dopingliste steht. "Wenn das raus gekommen wäre, wäre meine Karriere zu Ende gewesen" sagt Anne Kathrin Elbe heute.
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Die Situation ist verfahren. Theo Rous, Vizepräsident und Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des DLV erfährt von dem Vorfall, will sich mit Anne-Kathrin und ihren Eltern treffen. Doch wie kann das geschehen, ohne dass es irgend jemand aus der Trainingsgruppe, ohne dass es Coach Thomas Springstein mitbekommt.

Sie schmieden einen Plan. Nach der deutschen Junioren-Meisterschaft 2004 in Heilbronn, gibt Anne-Kathrin Elbe vor, eine Freundin in Düsseldorf zu besuchen. Springstein ist ahnungslos.

Auf der Raststätte

Das Treffen findet unweit der Rasthofes Kassel-Wilhelmshöhe statt. Anne-Kathrin Elbe und Bundestrainer Thomas Krämer, reisen aus Heilbronn an. Dazu kommen der Anti-Doping-Beauftragte des DLV, Theo Rous und die Eltern der Sportlerin, die aus Dessau kommen. Rous ist zuerst vor Ort und gibt ein geeignetes Hotel als Treffpunkt an die anderen per Mobiltelefon durch.

Dort entscheidet die Runde, Thomas Springstein anzuzeigen. Außerdem muss ein neuer Leichtahletikverein gefunden werden. Jena und Leverkusen stehen zur Wahl. "Innerhalb von nur vier Stunden musste ich mich entscheiden". Anne-Kathrin Elbe wählt den Schritt nach Leverkusen. Eine Entscheidung für ein neues Sportlerleben an dessen Ende eine Teilnahme an Olympia stehen soll.

Offene Fragen

Ein Jahr später kommt es in Magdeburg zum Prozess. Anne-Kathrin Elbe ist als Zeugin geladen, muss sich ihren Weg zum Gericht durch Kamerateams und Fotoreporter bahnen. Der Prozess endet schon kurze Zeit später mit einem Vergleich zwischen der Staatsanwaltschaft und den Anwälten von Thomas Springstein.

Der ehemalige 'Trainer des Jahres' erhält eine Bewährungsstrafe, ein Jahr und vier Monate. Trotzdem bleiben viele offene Fragen. Bis heute! Was geschah wirklich in der Magdeburger Trainingsgruppe von Thomas Springstein?!

Anne-Kathrin Elbe schildert zum ersten Mal ausführlich vor einer Fernsehkamera ihre Geschichte. Eindringlich berichtet sie über ihre Angst, ihre Zweifel und was sie schließlich dazu bewogen hat, an die Öffentlichkeit zu gehen. interpool.tv rekonstruiert die story, die in Deutschland ohne Beispiel ist.

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